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Wenn Kinder Jahre auf Operationen warten müssen: Patientenanwalt schlägt Alarm

12. Juni 2026

Zu wenige Kassenärztinnen, überlastete Spitäler, monatelange Wartezeiten und eine Versorgungslücke bei Kindern und psychisch Erkrankten. Der Wiener Pflege- und Patientinnenanwalt Gerhard Jelinek zeichnet ein alarmierendes Bild des Gesundheitssystems – und warnt vor den Folgen für Patient*innen.

Wer in Österreich krank wird, sollte sich auf eine rasche medizinische Versorgung verlassen können. Doch für viele Menschen sieht die Realität mittlerweile anders aus. Laut dem Wiener Pflege- und Patientinnenanwalt Gerhard Jelinek fehlen weiterhin Kassenärztinnen, während Spitäler unter massivem Personal- und Ressourcenmangel leiden.

Die Folge: Immer mehr Patientinnen sehen sich gezwungen, privat für medizinische Leistungen zu bezahlen. „Patientinnen zahlen doppelt“, kritisiert Jelinek. Einerseits leisten sie ihre Beiträge ins Gesundheitssystem, andererseits müssen sie oft auf teure Wahlärztinnen ausweichen, weil Termine bei Kassenärztinnen nicht verfügbar sind.

Kinder besonders betroffen

Besonders besorgniserregend ist die Situation für Kinder und Jugendliche. Trotz einzelner Verbesserungen fehlen nach wie vor Kinderärzt*innen mit Kassenvertrag. Noch dramatischer sei die Lage bei Diagnostik und Therapien für Kinder mit Entwicklungsstörungen.

Wer Unterstützung benötigt, wartet oft monatelang oder muss die Kosten selbst tragen. Viele Familien stehen dadurch vor enormen Belastungen. Gleichzeitig fehlen verlässliche Daten darüber, wie viele Kinder tatsächlich Hilfe benötigen.

Wartezeiten von bis zu zwei Jahren

Auch bei Operationen zeigt sich die angespannte Lage deutlich. Laut Jelinek erreichen die Wartezeiten in manchen Bereichen mittlerweile ein Ausmaß, das selbst Fachleute alarmiert.

Besonders betroffen sind Eingriffe im HNO-Bereich. Dort müssen Patient*innen teilweise ein bis zwei Jahre auf eine Operation warten – darunter auch Kinder. Lange Wartezeiten gibt es zudem bei orthopädischen, augenheilkundlichen und urologischen Eingriffen.

Psychische Erkrankungen bleiben unterversorgt

Ein weiteres Problemfeld bleibt die psychiatrische Versorgung. Sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche finden vielerorts zu wenig Unterstützung – ambulant wie stationär.

Gerade in Zeiten steigender psychischer Belastungen sei diese Entwicklung besorgniserregend. Betroffene warten oft monatelang auf Therapieplätze oder fachärztliche Betreuung.

Long Covid: Viele Betroffene fühlen sich allein gelassen

Besonders eindringlich äußerte sich Jelinek zur Situation von Menschen mit Long Covid und ME/CFS. Viele Betroffene berichten von schweren Einschränkungen ihres Alltags, finden jedoch kaum spezialisierte Anlaufstellen oder ausreichende soziale Absicherung.

Die Wiener Pflege- und Patient*innenanwaltschaft erhalte regelmäßig erschütternde Berichte von Menschen, die sich mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen fühlen und zunehmend verzweifeln.

„Erst Versorgung, dann Lenkung“

Immer wieder wird politisch darüber diskutiert, Patient*innen stärker von Spitalsambulanzen wegzulenken. Für Jelinek greift diese Debatte jedoch zu kurz.

Seine zentrale Botschaft: Bevor Patient*innen gelenkt oder zusätzliche Hürden geschaffen werden, müsse zunächst eine flächendeckende und funktionierende kassenärztliche Versorgung sichergestellt werden.

Denn solange Menschen keine zeitnahen Termine erhalten, bleiben Spitäler für viele die einzige Möglichkeit, medizinische Hilfe zu bekommen.

Die Warnung des Patientenanwalts ist deutlich: Ohne entschlossene Maßnahmen drohen die bestehenden Versorgungsprobleme weiter zuzunehmen – mit spürbaren Folgen für Patient*innen, Familien und das gesamte Gesundheitssystem.

Die vollständige Pressemeldung der Stadt Wien - Kommunikation und Medien (KOM) finden sie hier: