Skip to main content

Unsere Stellungnahmen zur Bürgerinitative

31. März 2026

Die Plattform #besserbehandelt, ein Zusammenschluss von 74 Organisationen und Institutionen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit, begrüßt die vorliegende Bürgerinitiative zur Anhebung des Quotendeckels für sonderpädagogische Stunden und unterstützt deren Zielsetzung ausdrücklich.

In einer Resolution von #besserbehandelt wurde bereits im Rahmen der letzten Nationalratswahl auf die dringende Notwendigkeit von Maßnahmen hingewiesen, die darauf abzielen, die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen zu verbessern.

Dazu zählen unter anderem:
• Verstärkte Bemühungen zum Aufbau eines inklusiven Bildungssystems – von der Elementarbildung bis zur Sekundarstufe
• Sicherstellung der Partizipation von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen und der sie Vertretenden
• Ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen
• Gut ausgebildete Pädagog*innen und gezielte Fortbildung im Bereich Inklusion
• Qualifizierte Stützkräfte und persönliche Assistenz
• Bessere Arbeitsbedingungen für Pädagog*innen
• Auf- und Ausbau multiprofessioneller Unterstützungssysteme

Die Forderung der gegenständlichen Bürgerinitiative zur Anhebung des Quotendeckels für sonderpädagogische Ressourcen stellt eine essentielle Voraussetzung zur Umsetzung der genannten Ziele dar.
Ausreichende sonderpädagogische und multidisziplinäre Ressourcen sind ein wesentlicher Bestandteil einer gesundheitsförderlichen Infrastruktur für Kinder und Jugendliche.

Die derzeitige Deckelung sonderpädagogischer Ressourcen führt in der Praxis dazu, dass Unterstützungsleistungen nicht entsprechend dem tatsächlichen Bedarf bereitgestellt werden können.

In vielen Bildungseinrichtungen ist die Situation bereits seit vielen Jahren äußerst angespannt und Pädagoginnen und Pädagogen arbeiten vielfach unter Bedingungen, die es ihnen erschweren, Kinder und Jugendliche mit erhöhtem Unterstützungsbedarf angemessen zu begleiten und in ihrer Entwicklung zu fördern.
Unterstützungsbedarfe von Kindern orientieren sich nicht an administrativen Quoten, sondern an individuellen Entwicklungs- und Gesundheitsbedürfnissen.

Kindergärten und Schulen sind zentrale Lebens- und Entwicklungsräume für Kinder.
Werden Kinder und Jugendliche mit erhöhtem Unterstützungsbedarf in diesen Umgebungen nicht ausreichend begleitet, kann dies erhebliche Auswirkungen auf ihre gesundheitliche und psychosoziale Entwicklung haben.

Aus gesundheitsvorsorglicher Sicht können unzureichende Unterstützungsstrukturen unter anderem zu folgenden sekundären Belastungen führen:
• chronische Überforderung und Stress im Bildungsalltag
• emotionale Dysregulation und erhöhte psychische Belastung
• soziale Ausgrenzung und verminderte Teilhabemöglichkeiten
• Verzögerungen in Sprach-, Kommunikations- und Lernentwicklung
• langfristige Beeinträchtigungen der Bildungs- und Lebensperspektiven
• erhöhtes Risiko (psycho-)pharmakologischer Kompensation

Inklusive Bildung erfordert zudem spezifische sonderpädagogische Kompetenzen, insbesondere fundierte Kenntnisse über Sprachentwicklung und Kommunikation.
Viele Kinder und Jugendliche sind auf alternative Kommunikationsformen angewiesen, wie unterstützte Kommunikation, visuelle Kommunikationssysteme oder Gebärdensprache.
Aktuell werden diese Entwicklungspotentiale aufgrund fehlender Ressourcen häufig nicht ausreichend begleitet, was mit erheblichen Langzeitfolgen einhergeht.

Stabile, unterstützende Bildungsumgebungen sind ein zentraler Schutzfaktor für die biopsychosoziale Entwicklung von Kindern.
Frühzeitige und bedarfsgerechte Unterstützung wirkt präventiv, stärkt die Resilienz und kann langfristig gesundheitliche und soziale Folgekosten vermeiden.
Die Plattform #besserbehandelt weist darauf hin, dass diese Situation nicht nur eine bildungspolitische, sondern auch eine gesundheits- und sozialpolitische Herausforderung darstellt.

Viele Herausforderungen im Bildungsalltag erfordern eine multiprofessionelle Begleitung, bestehend aus Schulärztinnen, School Health Nurses, Schulpsychologie, Schulsozialarbeit sowie – bei entsprechendem Förderbedarf – Physio- und Ergotherapeutinnen und Logopäd*innen.
Multiprofessionelle Strukturen können frühzeitig Unterstützungsbedarf erkennen, präventiv wirken und das Schulsystem entlasten.

Eine rasche Anhebung bzw. langfristige Abschaffung des Deckels für sonderpädagogische Stunden ist ein wichtiger Schritt hin zu einem tatsächlich bedarfsgerechten inklusiven Bildungssystem.
Jeder weitere Jahrgang von Kindern ohne ausreichende Unterstützung bedeutet verpasste Entwicklungs- und Gesundheitschancen.

Angesichts der bereits heute bestehenden Versorgungsdefizite ist jede weitere Verzögerung nicht vertretbar.

Die Plattform #besserbehandelt fordert daher eine rasche Umsetzung der Anhebung des Quotendeckels und eine bedarfsgerechte Bereitstellung der notwendigen personellen Ressourcen durch den Bund.